Rasch, gesund und umweltfreundlich am Ziel - Schnellverbindung macht den Umstieg aufs Rad einfacher

Frischluft ist in den Städten mehr als willkommen – das wird besonders bei extremen Hitzetagen deutlich. Auch die Stadt Mannheim reagiert auf den weltweiten Klimawandel, indem es grüne Leitbahnen wie zum Beispiel den Grünzug Nordost aktiviert. Hier soll vor allem in den Abend- und Nachtstunden Kaltluft entstehen, die die angrenzenden Stadtquartiere spürbar abkühlt, um damit heißen Sommerperioden entgegenzuwirken und die Lebensqualität zu verbessern. Auch die Reduzierung des CO2-Austoßes hat die Stadt in Angriff genommen. Ein großes Thema ist dabei die Änderung des Mobilitätsverhalten der Menschen, wofür entsprechende Anreize und besonders eine geeignete Infrastruktur benötigt werden. Der Ausbau des Radwegenetzes mit Radschnellverbindungen ist eine dieser Maßnahmen. Autofahrern soll die Entscheidung erleichtert werden, ab und an auf den Drahtesel zu setzen und das Auto in der Garage zu lassen. Denn die Vorteile liegen auf der Hand: Mit einer Radschnellverbindung kommt man rasch, gesund und umweltfreundlich zum Ziel.
Für die Mannheimer Bevölkerung hat die Radschnellverbindung daher viele Vorteile. Sie verbindet unter anderem den Norden der Stadt mit dem Süden. So etwa das Franklin-Konversionsgelände oder die Stadtteile Vogelstang und Käfertal mit der Innenstadt. Sie verbindet aber auch Städte wie Heidelberg, Darmstadt, Viernheim, Bensheim, Weinheim und Bruchsal mit der Quadratestadt, die durch diesen besonderen Radweg unkompliziert per Rad angesteuert werden können. „Derzeit laufen die Planungen für zwei überregionale Radschnellwege auf Hochtouren, deren Umsetzung das Land Baden-Württemberg betreut. Der Radschnellweg im Grünzug Nordost bildet die Verbindung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Radschnellweg“, erklärt Klaus-Jürgen Ammer, Planer der Stadt Mannheim. Aufgrund seiner attraktiven Wegeführung entlang des Neckars, des westlichen Rands der Au und über das ehemalige Militärgelände biete er stressfreies Fahren für Jung und Alt mit hohem Freizeitwert. „Er wird viele Radlerinnen und Radler begeistern“, ist sich Ammer sicher. Dabei hat eine vom Verband Region Rhein-Neckar in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie gezeigt, dass diese Verbindungen tatsächlich genutzt werden. Allein zwischen dem Abschnitt Mannheim-Viernheim, der auf dem Weg nach Weinheim liegt, wurden laut Studie durchschnittlich 2.800 Radler ermittelt. Es wird deutlich: Das Potenzial der Radschnellverbindung ist hoch.
Davon ist auch Volker Jurkat überzeugt. Er ist Planer bei der Bundesgartenschau 2023 gGmbH und mit dem Thema Radschnellverbindung beschäftigt. „Wir wollen ein Angebot schaffen, wie man es in den letzten Jahrzehnten eher für die Autofahrer gemacht hat“, sagt er und spricht komfortable und schnelle Verbindungen für Radfahrer an. Komfortabel bedeutet, dass die Radler ohne große Hindernisse, flüssig und sicher ihre Ziele erreichen. Dazu zählt beispielsweise, dass – entsprechend den „Qualitätsstandards für Radschnellverbindungen in Baden Württemberg“ – Kurvenradien 20 Meter nicht unterschreiten, damit gute Sichtverhältnisse herrschen. Oder dass Querungen von Straßen so weit wie möglich vermieden werden. Zudem sollte solch ein Radweg eine gewisse Breite aufweisen. So gibt es etliche Gründe, warum die Wahl bei der Trassenführung auf eine Variante fiel, die durch einen Teil der Feudenheimer Au führt. Alternativrouten, die bereits bestehende Radwege miteinbeziehen, wurden laut Volker Jurkat ebenfalls geprüft. Doch das Ergebnis ist eindeutig: Die Route am westlichen Rand der Feudenheimer Au ist die einzige, die laut der Studie von R+T im Standard einer Radschnellverbindung gebaut werden kann. „Es ist dies die sicherste Variante, die geradlinigste und vor allem die landschaftlich reizvollste“, sagt auch Klaus-Jürgen Ammer. Und die sinnvollste, wenn man die technischen und Rahmenbedingungen berücksichtige, fügt Volker Jurkat hinzu.
Dennoch, und auch dem sind sich die Planer bewusst, ist gerade das Thema „Feudenheimer Au“ mit vielen Emotionen beladen. Unter anderem werden für den Bau der Radschnellverbindung 26 Kleingartenparzellen der Kleingartenanlage Feudenheimer Au umgesiedelt. „Hier stoßen verschiedene Interessen aufeinander, das ist ganz normal. Aber unterm Strich arbeiten wir zusammen an einer Lösung“, sagt Volker Jurkat, der selbst mit vielen betroffenen Kleingärtnern gesprochen hat und weiß, wie verbunden sie mit ihrem Gartenstück sind. Umwelt- und Naturschützer hingegen befürchten den Verlust der Bienen-Ragwurz durch die für den Weg notwendige Versiegelung. Auch dieses Thema stößt bei den Planern nicht auf taube Ohren. „Die Natur ist ein ganz wichtiger Punkt. Doch wir müssen die Verhältnismäßigkeit im Auge behalten“, so Jurkat, der beispielsweise auf eine mögliche CO2-Reduzierung von etwa 614 Tonnen pro Jahr hinweist, die die Radschnellverbindung rechnerisch bringen dürfte. Obendrein seien Maßnahmen geplant, die über einen reinen Ausgleich eventueller ökologischer Verluste hinausgehen, beispielsweise die Umsetzung einzelner Exemplare der geschützten Orchideenart Bienen-Ragwurz oder der Bau einer Amphibienmulde samt barrierefreier Kreuzungsmöglichkeiten in Tunnelform unterhalb des Schnellwegs für Tiere wie Kröten, Frösche und Molche.
Die Vorbereitungen für die Mannheimer Radschnellverbindung sind in vollem Gange. „Im Frühjahr 2020 werden alle notwendigen Maßnahmen getroffen sein“, sagt der Planer Volker Jurkat. Er gehe daher davon aus, dass der Baubeginn des Radschnellwegs dann im Sommer 2020 liegt, vorausgesetzt das hierfür notwendige Planfeststellungsverfahren kommt zu einem positiven Ergebnis. Um 2021/2022 ist er dann planmäßig fertig und Mannheim dem Ziel, eine fahrradfreundliche Stadt zu werden, ein weiteres Stück näher.

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